Mercedes-AMG startete mit einem Paukenschlag in die neue Saison der Intercontinental GT Challenge und feierte beim Meguiar’s Bathurst 12 Hour einen historischen vierten Gesamtsieg – so viele wie kein anderer Hersteller zuvor. Gleichzeitig war es der erste Triumph bei Australiens internationalem Langstreckenklassiker für GMR sowie für Maxime Martin, Mikael Grenier und Maro Engel, der am Mount Panorama Circuit bei seinem zehnten Anlauf endlich ganz oben auf dem Podium stand.

Das Trio setzte sich mit nur einer Sekunde Vorsprung gegen den Porsche von High Class Racing durch, den Independent-Cup-Sieger Kerong Li gemeinsam mit Anders Fjordbach und Dorian Boccolacci pilotierte. Trotz ihres Bronze-Status gewann die Mannschaft nicht nur ihre Klasse, sondern ließ auch zahlreiche Werkscrews hinter sich.

Bemerkenswert – und bezeichnend für den unberechenbaren Rennverlauf – ist zudem, dass die beiden erstplatzierten Fahrzeuge von den Startplätzen 29 und 30 ins Rennen gegangen waren. GMR stellte damit einen neuen Rekord auf: Der bisher beste Sieg aus dem Jahr 2020 war von Startplatz elf erfolgt.

Mit 55.231 Zuschauern wurde zudem ein neuer Besucherrekord aufgestellt. 13 Fahrzeuge kamen in der Führungsrunde ins Ziel – ebenfalls ein neuer Bestwert.

BMW eröffnete die Titelverteidigung in der IGTC mit einem Podiumsplatz: Das WRT-Trio Raffaele Marciello, Augusto Farfus und Valentino Rossi führte den Audi von Jamec/MPC sowie den M4 von Team KRC mit Tony Ruan, Maxime Oosten und Max Hesse ins Ziel. Ein Porsche von Absolute komplettierte die Top Sechs sowie die fünf punktberechtigten IGTC-Fahrzeuge.

Späte Kollision ebnet GMR den Weg zum Sieg

Nach einer starken Aufholjagd aus den hinteren Startreihen lag GMR in aussichtsreicher Position, als es 40 Minuten vor Schluss zur entscheidenden Szene kam: Die lange führenden Teams 75 Express und WRT mit dem BMW #32 kollidierten.

In den ersten acht Rennstunden wechselte die Führung mehrfach – unter anderem lagen Craft-Bamboo, die Corvette #2 von JMR sowie der BMW #46 zwischenzeitlich in Front. Auch GMR führte zur Rennhalbzeit, fiel jedoch während einer Safety-Car-Phase, von der die beiden anderen führenden Mercedes-AMG profitierten, auf Rang drei zurück.

Diese Umstände sollten später entscheidend werden. Spitzenreiter Ralf Aron war der Erste, der auf einen stehenden Porsche von Johannes Zelger am „The Dipper“ traf. Beim folgenden Zwischenfall blieben Luca Stolz und Engel glücklicherweise unverletzt, dennoch wurde das Rennen bei noch drei Stunden und 40 Minuten Restzeit sofort mit der roten Flagge unterbrochen. Beide Fahrer konnten ihre Fahrzeuge eigenständig verlassen, Aron wurde zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.

Nach 55 Minuten wurde das Rennen fortgesetzt. Stolz übernahm die Führung und verteidigte sie bis zum vorletzten Boxenstopp, als Jules Gounon das Steuer übernahm. Er kam knapp vor Martin zurück auf die Strecke, der inzwischen Engel abgelöst hatte, und sicherte 75 Express eine günstige Ausgangsposition für den Schlussspurt.

Doch zwei weitere Mercedes-AMG sorgten für eine dramatische Wendung: Jayden Ojeda und Chaz Mostert kollidierten am Ausgang von Griffins Bend, was den zehnten und letzten Boxenstopp auslöste. Während der Großteil des Feldes stoppte, setzte WRT alles auf eine Karte und ließ den BMW #32 draußen. Das Fahrzeug hatte nach einem Startunfall mit Frontschaden lange um eine verlorene Runde gekämpft und lag nun in aussichtsreicher Position, um den Vorjahressieg zu wiederholen.

Beim Restart kam es jedoch zur entscheidenden Szene: Van der Linde und Gounon berührten sich in der Anfahrt auf Hell Corner. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt und gerieten von der Ideallinie ab – Martin nutzte die Gelegenheit, tauchte innen durch und übernahm die Führung.

Anschließend ließ er sich den Sieg nicht mehr nehmen, auch wenn Boccolacci im Porsche stets in Schlagdistanz von rund einer Sekunde blieb und ebenfalls eine beeindruckende Aufholjagd gezeigt hatte.

Durch den Schaden fiel 75 Express im Gesamtklassement noch auf Rang sieben zurück, immerhin sicherte sich Kenny Habul als Teamkollege von Gounon Platz zwei im Independent Cup.

Der Porsche von EBM wurde nach mehreren Ausritten am Ausgang von Hell Corner Gesamtachter. Die Ferraris von Arise Racing – eines davon unter dem Banner von Ziggo Sport Tempesta – komplettierten die Top Ten; Jonathan Hui sorgte dabei für einen weiteren Podestplatz im Independent Cup.

Für die übrigen IGTC-Hersteller verlief das Rennen wechselhaft. Ford erlebte ein unglückliches Intercontinental-Debüt: Bereits nach weniger als 20 Minuten kollidierte Chris Mies auf der Conrod Straight mit einem Känguru, was den Mustang schwer beschädigte und den Fahrer sichtlich schockierte. Chevrolet blieb trotz einer Durchfahrtsstrafe zunächst im Kampf um die Spitze, schied jedoch nach einem technischen Defekt über Skyline aus – Earl Bamber musste 90 Minuten vor Schluss aufgeben.

Mit diesem Erfolg liegt Mercedes-AMG nun fünf Punkte vor Porsche in der Herstellerwertung der IGTC. Weiter geht es mit Lauf zwei vom 14. bis 17. Mai beim ADAC Ravenol 24h Nürburgring.

Text und Foto: IGTC/SRO


 

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